Die Handwerks-Forschungszeit 2027

Ökodorf, Naturpark, Earthship-Baustelle: An diesen drei Orten wird nicht für Kunden gearbeitet, sondern für die Bauwende, für Nachhaltigkeit, für Gemeinschaft und Artenschutz. Mit nachhaltigen, praktischen, gemeinschaftlichen Prozessen. Ist das Luxus oder ist das die Zukunft? Was kann das Handwerk davon lernen? Das möchten wir in der Handwerks-Forschungszeit herausfinden.

Wir suchen Menschen mit handwerklichen Fähigkeiten (Ausbildung oder Erfahrung). Du weißt, wie die Arbeit getan wird, möchtest aber mehr erforschen, erlernen, erleben? Dann nimm als Bürgerwissenschaftler*in an unserem Projekt „Region als Werkstatt“ teil!

Erfahrung durch Experimentieren

An allen drei Orten gibt es sowohl spannende, ungewöhnliche, unkonventionelle handwerkliche Aufgaben, denen du dich stellen kannst, oder du setzt selbst Projekte um: Bauweisen, Verarbeitungsideen, Materialien, Arbeitsstrukturen. Wenn du bereit bist, dich auf ein ganzheitliches, selbstverantwortliches Lern- und Forschungserlebnis einzurichten, unterstützen dich an jedem Ort Forschungsbegleiter*innen darin, deine geeigneten Einsatzorte zu finden.

Forschung

Diese Art der Forschung nennt man „Bürgerwissenschaft“. Es gibt verschiedene Methoden, wie deine Erkenntnisse dokumentiert werden können, das kann ein Forschungstagebuch sein oder Sprach- und Filmaufzeichnungen. Klar ist, dass du neben der handwerklichen Arbeit Zeit brauchst, um deine Erfahrungen zu reflektieren. Darum wirst du nicht Vollzeit als Handwerkende*r arbeiten.

Die Forschung wird vom Thünen-Institut für Regionalentwicklung begleitet und ausgewertet. Aus den Ergebnissen sollen Vorschläge entwickelt werden, die in die Handwerksausbildung und in die Weiterbildung einfließen können, um Handwerk insbesondere in ländlichen Räumen langfristig attraktiv und resilient zu machen. 

Honorar

Du bekommst ein Honorar in Höhe von 1440,- Euro monatlich (ggf. plus USt., falls du USt.-pflichtig bist) für eine halbe Stelle als Handwerksforscher*in. Dafür stellst du uns monatlich eine Rechnung. Von diesem Geld musst du deine Krankenversicherung sowie Unterkunft und Verpflegung an den Praxisorten bestreiten (bis zu 35,- Euro/Tag). Wenn du komplett an einem Experimentierort lebst, wird das Geld in diesen Monaten also fast vollständig für deinen Lebensunterhalt gebraucht. Allerdings ist das Honorar für eine halbe Stelle berechnet, also darfst du 12 Monate lang das genannte Honorar berechnen, während wir deine Anwesenheit und deinen vollen Einsatz an den Experimentierorten nur in sechs Monaten in dieser Zeit erwarten – siehe nächsten Absatz.

Praxis

Wir wählen 12 Handwerks-Forscher*innen aus und schlagen vor, dass jeweils vier davon zusammen jeweils zwei Monate an jedem Experimentierort verbringen – dann wärst du dreimal zwei Monate an jedem der Experimentierorte.

Die Praxiszeit ist zwischen Frühjahr 2027 und Frühjahr 2028 vorgesehen, wir planen die drei zweimonatigen Einsätze zwischen März und Oktober 2027.

Aber wir sind flexibel und bitten dich, in deiner Bewerbung zu schildern, was du dir vorstellst und was du brauchst. Vielleicht willst du lieber nur an einem Ort sein, oder du willst nicht wochenlang an den Orten leben, sondern z.B. eine Woche dort und eine zu Hause – das machen wir miteinander aus, wenn du in die engere Auswahlrunde kommst. Wichtig sind für uns mehr deine Erkenntnisse zum Arbeiten an einem Experimentierort, als dass du diese Erkenntnisse an verschiedenen Orten gemacht hast.

Orte

Drei Orte freuen sich auf deinen Einsatz und deine Ideen: 

  • Ökodorf Sieben Linden (Blühende Landschaften e.V.)
    • Ökologischer Bau mit Lehm und Stroh
    • Mobile temporäre ökologische Wohnlösungen und Low Tech
    • Market Gardening, solidarische Landwirtschaft, Lebensmittelveredelung
    • Kreislaufwirtschaft und Biogas
    • Agro-Forst und Waldumbau

Die drei Orte sind unterschiedlich ausgerichtet. Im Ökodorf Sieben Linden (vertreten vom Blühende Landschaften e.V.) steht ein gemeinschaftliches nachhaltiges Leben im Mittelpunkt, das für die Bewohnenden aber ohne Zuschüsse bezahlbar sein muss – wir nennen es ganzheitliche Alltagsökonomie. Da das Dorf neu aufgebaut wird, spielt Neubau eine große Rolle, aber auch Wald, Garten, Kreislaufwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung bieten handwerkliche Aufgaben.

Bei „Wir bauen Zukunft e.V.“ (vertreten vom Institut für regenerative Baukultur und resilienten Lebensstil gGmbH) steht das experimentelle Bauen und Schaffen sowie die Verwertung von Recyclingbaustoffen im Vordergrund – „zirkuläre Baustoffe und neue Materialien“. Vor Ort wird in Phasen ebenfalls gemeinschaftlich gelebt.

Im Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide (vertreten von der Stiftung Reepsholt für Naturschutz und umweltgerechte Ressourcennutzung) steht naturschützende Methodik im Vordergrund, in der Struktur eines staatlich geförderten Naturparks; eines Zusammenschlusses mehrerer Gemeinden. Im handwerklichen Schaffen bedarf es innovativer und unkonventioneller Lösungen, wenn Artenschutz und Landschaftspflege die vorrangigen Ziele sind.

Kannst du dir vorstellen, diese Orte und deinen Erfahrungsschatz durch deine Mitarbeit zu bereichern? Wir sind gespannt auf eine einzigartige Zeit in einem neuartigen, zukunftsweisenden Forschungsprojekt. Bewirb dich auf www.Region-als-Werkstatt.de bzw. hier, erzähle uns von dir und lass uns gemeinsam versuchen, Handwerk noch attraktiver und zukunftsfähiger zu machen.